Naturbelassen, gesund, traditionsbewußt und hoch musikalisch
Der Bregenzerwald Wo befindet sich Europas größte geschlossene silofreie Zone?
Wo gibt es keine Hochhäuser und muss die traditionelle Baustruktur erhalten bleiben?
Wo kann der Besucher in revitalisierten Sennhäusern Milchprodukte
und feinsten Käse erwerben? Wo kann der Kurgast neben medizinischer Therapie
auch seine Sinne für Augen, Nase und Ohren geschärft bekommen,
um ganzheitlich zu gesunden? Im Bregenzerwald.
| ||
Der wohl berühmteste Bregenzerwälder unseres Jahrhunderts war Hermann Gmeiner,
der Vater der SOS-Kinderdörfer. Hier aufzuwachsen heißt nicht nur die Schönheiten
und Härten der Natur hautnah zu erleben, vielmehr bekommt man ein Gespür für die Einheit,
für das Zusammengehören mit auf den Weg. Allein schon die Sprache, der Dialekt verdeutlicht
das "aufeinander Zugehen". Die Verkleinerungsform erscheint für Nicht-Vorarlberger
liebenswert. Wenn sie vom "Häusle" sprechen, mit dem "Bähnle" fahren
oder die Traditionsspeise "Käsknöpfle" essen, hat das etwas von den Umgangsformen
mit Kindern, mit Lernenden, denen man jede Hilfe angedeihen lässt.
Die Menschen hier sind großteils unverfälscht. Der Einfluss des Großstädtischen ist nicht zu spüren. Dafür aber Herzlichkeit, Natürlichkeit und striktes Festhalten an Hergebrachtes. Das Bregenzerwälder Bauernhaus mit seinen Schindeln etwa ist einmalig in der Welt. Die Gemeinden des Bregenzerwaldes haben sich zusammengeschlossen und eine einheitliche Bauordnung verfasst. Die "Wälderstube" ist kaum zwei Meter hoch und wird von sechs kleinen Fenstern lichtdurchflutet. Nichts Fremdes darf das Gesamtbild stören. Dass reine Luft und klares Wasser höchste Güter des Lebens sind, hat man hier erkannt. Kein Silo stört das natürliche Gefüge. | ||
Tradition wird großgeschrieben. Die Käseherstellung und -vermarktung ist einzigartig.
Begründet wurde dies im vergangenen Jahrhundert von den "Käsegrafen". Die Frauen tragen
zu festlichen Anlässen die Bregenzerwälder Tracht, wohl die schönste Bekleidung
des gesamten Alpenlandes. Hervorstechend ist die lange Juppe, ein in schmale Falten
gelegter langer Rock in den Farben schwarz oder weiß - wird vom Mieder
(mit handgestickten Gold- und Silberverzierungen) getrennt.
| ||
Alte Handwerkskunst entdeckt man bei den Klöpplerinnen, die auf diese spezielle Weise
herrliche Spitzendecken, -überhänge und -vorhänge fertigen. Als berühmteste Künstlerin
muß man Angelika Kaufmann ansehen, die als Malerin in der Zeit vom Spätbarock
zum Klassizismus hier wirkte.
Freilich brachte der Bregenzerwald auch bekannte Sportler hervor. Hubert Hammerer etwa wurde 1960 Olympiasieger im Sportschießen. Und Toni Innauer, Olympiasieger und Direktor der Nordischen, kennt heute sowieso jeder. Bleibt die Musik. Heute sind es die Bregenzerwälder Dorfmusikanten, die den Namen in alle Welt hinaustragen, Eva-Maria, der hübsche Schlagerstar, die Bregenzerwälder Spitzbuam, die bei ihren Auftritten immer wieder alte Lieder der Heimat anstimmen oder das Zwillingsduo Kurt und Ferdl (Zwei Brüder), das mit seiner Instrumentierung (Gitarre und Trompete oder Posaune) überrascht. Gut bei Stimme sind sie alle. In den Wälderstuben wird auch privat viel und gern musiziert. Kaum jemand, der nicht ein Instrument beherrscht. Fotos: Voralberg Tourismus (3), Waclavicek (1) |